Hypersensibilität – Wenn feinste Berührungen schmerzen

Wie ein Leben auch werden kann..

Eine ganz normale Geräuschkulisse im Café, im Restaurant strömt einem eine Fülle von Gerüchen in die Nase. Oder der Partner umarmt und streichelt einen. Was bei vielen positive Gefühle weckt, ist für manch einen kaum auszuhalten. Nämlich für die Menschen, die auf äußere Reize ausgesprochen stark reagieren. Dieses Phänomen wird als Hochsensibilität bezeichnet und hat höchstwahrscheinlich neurologische Ursachen.

Erstmals benannt und erforscht wurde Hochsensibilität 1997 von der amerikanischen Psychologin Elaine N. Aron. Bislang gibt es leider wenige Forschungen, die sich mit den Ursachen dieses Phänomens beschäftigen. Dennoch lassen Studien vermuten, dass sich Hochsensibilität mit einem Unterschied in der neurologischen Konstitution des Gehirns hochsensibler Menschen erklären lässt. Man kann sich das so vorstellen, dass das Gehirn hochsensibler Menschen äußere Eindrücke intensiver verarbeitet.

So kann eine Geräuschkulisse, wie z. B. in einem Café, schon nach kurzer Zeit sehr anstrengend sein und zu großer Erschöpfung führen. Es können aber auch andere äußere Reize, wie z. B. Gerüche, Berührungen oder visuelle Eindrücke sein. Hochsensible Menschen nehmen ihre Umwelt viel intensiver wahr als andere und haben daher auch andere Bedürfnisse. Sie bevorzugen z. B. häufig ruhigere und reizärmere Umgebungen. Und fühlen sich wohler, wenn sie mit weniger Eindrücken konfrontiert sind.

Was tun?

1. Aufenthalt in der Natur

Mein ganz persönlicher Favorit. Je frischer die Luft und unberührter die Natur, umso besser. Ob ein Waldspaziergang, eine Runde um einen Weiher oder See, eine Radtour, eine Wanderung, Besuch eines Wasserfalls oder einfach nur das Sitzen auf einer abgelegenen Bank. Viele Hochsensible (wie ich) empfinden einen Aufenthalt in der Stille und Einsamkeit der Natur als (Nerven) entspannend und Energie spendend.

2. Wasser

Natürliches und frisches Trinkwasser hat bekanntermaßen eine wohltuende Wirkung auf unseren gesamten Organismus. Bezogen auf das Gesamtkörpergewicht ist Wasser der mengenmäßig wichtigste Bestandteil des menschlichen Körpers. Bei einem Erwachsenen beträgt dieser Anteil ca. 65%. Die wohltuende Wirkung von Wasser, egal ob als Nahrungsmittel oder um uns herum, scheint auf uns Hochsensible noch stärker zu zutreffen, was ich wiederum aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Elaine Aron* dazu: „Wasser hilft auf verschiedene Art. Wenn Sie überreizt sind, hören Sie nicht auf zu trinken – einmal pro Stunde ein großes Glas Wasser. Gehen Sie am Wasser spazieren, schauen Sie hinein, hören Sie dem Wasser zu. Wenn es möglich ist, baden Sie oder gehen sie schwimmen. Heiße Bäder und Quellen sind nicht ohne Grund so beliebt.“

3. Sich Nachrichten- und Informationspausen gönnen

Die tägliche Informationsflut ist purer Stress für uns Hochsensible. Das heißt nicht, dass du kein Smartphone oder PC mehr besitzen solltest. Entscheidend ist, wie du mit diesen Informationsmedien umgehst und wie du sie konfigurierst. Minimalisiere deine Interessen, lerne wieder langsam zu lesen, konfiguriere deine Benachrichtigungseinstellungen im Smartphone, reduziere deinen Internet- und Medienkonsum, und sei öfters auch mal offline, jenseits der virtuellen Welt.

4. Kraftorte

Suche dir einen Ort, an dem du dich pudelwohl fühlst. An dem du dich regelmäßig zurückziehen kannst, der dir ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit vermittelt. An dem du auftanken kannst. Dies kann die eigene Wohnung sein, in der du dir einen Rückzugsraum oder Ecke nach deinen Wünschen einrichtest. Dieser Ort kann aber auch eine öffentliche Einrichtung sein, wie zum Beispiel eine ruhige Kapelle oder eine ruhige Bücherei (einer meiner Lieblingsorte!) Draußen in der Natur gibt es unzählige Möglichkeiten für einen Kraft Ort.

5. Vertraute Menschen & Tiere

Je nach Stimmung und eigener HSP-Befindlichkeit können vertraute Menschen ein Hort der Entspannung und Regeneration sein. Sie sind feste Bezugspunkte in unserem Leben, die uns Vertrauen, Rückhalt und Geborgenheit geben. Dazu können der Lebenspartner, die Eltern, die eigenen Kinder oder enge Freunde zählen. Im Kreise diese Menschen fühlen wir uns wohl, wir müssen uns nicht verstellen, fühlen uns verstanden und wir können unsere Erlebnisse und aufgenommenen Informationen teilen und verarbeiten. Diese Vertrautheit können wir aber nicht nur mit Menschen erleben. Auch lieb gewonnene Haustiere, wie etwa ein Hund oder eine Katze, schenken uns Wärme, bedingungslose Liebe und Nähe.

6. Meditation & Stille

Meditationen helfen uns dabei körperlich, geistig und seelisch zu entspannen, zu regenerieren von der täglichen Reizüberflutung. Mit regelmäßigen Meditations- und Entspannungsübungen finden wir hochsensible Menschen einen Ausgleich zur täglichen Hektik.

7. Kreative Tätigkeiten & Hobbys

Auch kreative Tätigkeiten wie Malen, Zeichnen, Musik machen, Schreiben, Töpfern, Fotografieren oder Basteln können eine ausgleichende Wirkung haben, bei der wir entspannen und in uns ruhen, vielleicht sogar in einen Flow-artigen Zustand geraten, ganz in unserer Tätigkeit aufgehen, in eine andere Welt abtauchen. Beim Schreiben kann ich dies immer wieder beobachten, es ist meine kleine Flucht aus der rauhen Alltagswelt.

Quelle

Musik

Ein Gedanke zu “Hypersensibilität – Wenn feinste Berührungen schmerzen

  1. Ich habe eine liebe Freundin (telekommunikativ), die ist hypersensibel. Smartphone oder Händie benutzt sie selbstverständlich nicht, sie spürt sogar die Elektrostrahlungen an der Tastatur eines Rechners. Auch Lärm ist für sie sehr störend. Kennengelernt haben wir uns über die „Initiative Sonnenzeit“, sie verabscheut natürlich die sog. Sommerzeit, auch verordnete Zeit genannt.

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